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Abrahams Wanderweg – Wandern im Westjordanland bis Sarah Lemel

Auf der Spur des Patriarchen

Ein Wanderweg zur Völkerverständigung: Der  Abrahamspfad folgt dem Weg, den der Stammvater der drei Weltreligionen gegangen  sein soll. Den teils grünen, teils felsigen Abschnitt im Westjordanland betraten bisher nur wenige Touristen – dabei können sie dort palästinensische Gastfreundschaft erleben.

Kufr Malik – Geschickt wie eine junge Bergziege springt der palästinensische  Reiseführer von einem Felshügel zum anderen. “Wir müssen ein bisschen schneller  gehen”, drängt er eine Gruppe von Deutschen, die er auf dem palästinensischen  “Abrahamspfad” im Westjordanland nordöstlich von Ramallah begleitet, sanft zur  Eile. “Es wird bald dunkel, dann wird das Bergsteigen hier sehr gefährlich”, erklärt Hijazi Eid. Die Wandernden legen brav einen Schritt zu, können aber  unterwegs dennoch die steinige Landschaft des Palästinensergebiets in ihrer  kargen Schönheit bewundern. Die vereinzelten Ölbäume am Wegesrand werfen in der  Nachmittagssonne immer längere Schatten.

Benannt ist der teils grüne, teils felsige Pfad nach dem Stammvater der drei Weltreligionen: Juden verehren ihn als Avraham, Christen als Abraham und Muslime als Ibrahim. Der biblischen Überlieferung nach ist er vor etwa vier Jahrtausenden von Ur am Euphrat in Mesopotamien – dem heutigen Irak – nach Haran  in der heutigen Türkei und anschließend nach Kanaan gewandert. Von dort aus zog  er weiter nach Ägypten und dann wieder zurück nach Kanaan, wo er in Hebron sesshaft wurde. In Hebron im heutigen Westjordanland soll er auch beerdigt sein, im Grab des Patriarchen.

Von diesem legendären Wanderpfad des Erzvaters ist das Projekt “Masar Ibrahim  al-Chalil” inspiriert, das Touristen aus aller Welt dazu anhält, Abrahams Spuren  zu folgen und die Region zu besuchen, die sonst eher für ihre kriegerischen  Auseinandersetzungen bekannt ist. Der moderne Nahe Osten ist allerdings durch  den politischen Konflikt zwischen Israel und seinen Nachbarn so gespalten, dass bislang nur Teilabschnitte des Pfads begehbar sind, und zwar in Jordanien, den  Palästinensergebieten, der Türkei sowie in Zukunft auch in Syrien und  Israel.

Bis zu sieben Tage für 70 Kilometer

“Der Abrahamspfad soll die kulturelle Einheit des Nahen Ostens symbolisieren,  unabhängig von den verschiedenen Religionen”, erklärt Frederic Masson,  Mitarbeiter der Abraham Path Initiative im Westjordanland, einer  Partnerorganisation des Deutschen Entwicklungsdienstes (DED). “Wir hoffen, dass  in Zukunft wirklich alle Teile zusammenhängend bewandert werden können.”

Der Verlauf des etwa 70 Kilometer langen Pfads zwischen Nablus und Jericho im  Westjordanland ist auch nur symbolisch, weil niemand den genauen Weg kennt, den  Abraham in grauer Vorzeit mit seiner Sippe durchwandert haben soll. Wer dem  ganzen Wanderpfad folgen will, ist je nach Tempo vier bis sieben Tage unterwegs.  Die deutsche Gruppe unter Führung von Eid läuft jedoch nur knapp zwei Stunden  zwischen dem palästinensischen Dorf Kufr Malik – 17 Kilometer nordöstlich von Ramallah – nach Ein Samia

Mit der berühmten arabischen Gastfreundschaft empfängt der Bürgermeister von  Kufr Malik, Bakr Abu Aiman, die Gäste in seinem Wohnzimmer, in dem viele  wuchtige und bequeme Sessel bereitstehen. Ein junger Mann zieht niedrige  Holztische heran und gießt heißen, süßen Tee in kleine Glastassen. Wie andere  palästinensische Gemeinden entlang des Pfads verspricht sich das  3000-Seelen-Dorf von dem Tourismusprojekt eine neue Einkommensquelle. Die  Besucher können ihrerseits für wenig Geld bei örtlichen Familien übernachten und  mit etwas Glück auch muslimische Feiertage oder traditionelle Hochzeiten miterleben.

250 Wanderer im Jahr auf dem Pfad

Viele Besucher hätten wegen des Konflikts in der Region anfangs Bedenken, auf  dem Abrahamspfad zu wandern, erklärt der bärtige Bürgermeister, der eine sehr  würdevolle Aura besitzt. Er hoffe jedoch, dass das Projekt dazu beitragen  könnte, “das Ansehen der Palästinenser und des Nahen Ostens allgemein zu  verbessern”.

Im vergangenen Jahr haben nach Angaben von Masson etwa 250 Menschen den  Wanderweg besucht. “Die Besucher waren sehr bunt zusammen gewürfelt, von Nonnen  bis zu Menschen, die mit Religion absolut nichts zu tun haben”, sagt er. “Etwa  75 Prozent der Besucher übernachteten in einem Dorf entlang des Wegs – das ist ein echter Erfolg.”

Der Wanderpfad führt durch besetztes Palästinensergebiet, am Ende des  Abschnitts ist kurz vor Anbruch der Dämmerung in der Ferne die jüdische Siedlung  Kochav Haschachar (hebräisch für Morgenstern) zu sehen. Mit der israelischen  Armee habe man aber nur einmal Schwierigkeiten gehabt – bei der ersten Wanderung  im Sommer 2008, erzählt Masson. “Sie wussten einfach nicht, was dort passiert,  wir mussten es ihnen erst erklären – seitdem haben wir keine Probleme mehr gehabt.”

Bislang sind es jedoch nur kleine Reisegrüppchen, die sich in das Gebiet  trauen, auch wenn es dort nur noch ganz selten zu
Kampfhandlungen kommt. Die größte Gruppe seien 14 Personen gewesen, erzählt Bürgermeister Abu Aiman. “Ich  hoffe, dass die Besucher in Zukunft mehr als nur eine Nacht bleiben.”

Von Sara Lemel, dpa

Links:

http://www.abrahampath.org/about.php

http://www.spiegel.de/reise/fernweh/bild-679545-61715.html

Eingestellt am 2 März, 2010 um 21:25 Uhr | Kategorie: Allgemeines | Permalink